Perlen aus Afrika

 

Seit den Anfängen der Menschheit standen bei allen Völkern dieser Erde Perlen als Schmuck hoch im Ansehen. Nirgends spielt die Perle eine solche Rolle, ist sie ein so unerlässliches Schmuckstück des weiblichen Geschlechts wie in den Ländern Afrikas. Zur Ausstattung der afrikanischen Frau sind Perlen unbedingt gehörig. Schon dem neugeborenen Mädchen werden Perlen um Hals, Hüften, Fuß und Handgelenke gebunden, und wenn die Mutter dazu zu arm sein sollte, ersetzt sie diesen Schmuck durch eine buntfarbige Baumwollschnur, auf die man nach und nach einige Perlen aufreiht.

Der Grundstoff der Perlen ist von verschiedener Art. Es dient alles, was hart ist, als Perle. Perlen von reinem massiven Gold, Messing, von Silber, Kupfer und Eisen, von Zinn und Bernstein, von Knochen und Hörnern, Plättchen aus Straußeneierschale, Perlen aus Rotholz, aus harten Samen verschiedenster Früchte, Perlen von Granit und Bergkristall, von Halbedelsteinen, Korallen und Porzellan, Zähne von Tieren, Wirbelreihen von Schlangen und Fischen und vor allem natürlich Perlen von Glas, von Jahrtausende altem europäischem und solchem,

das in Afrika selbst mit heimischen Mitteln hergestellt wird.

 

Perlen finden nicht nur als Schmuck Verwendung. Sie dienen zur mannigfaltigen Verzierung von Gegenständen wie beispielsweise Sitzmöbeln und Truhen. Aber auch Objekte des täglichen Gebrauchs sind oft über und über mit Perlenstickerei in echt afrikanischer Farbzusammenstellung und Ornamentik überzogen. Die verwendeten Farben und Formen unterscheiden sich dabei von Region zu Region enorm.

Die Aggriperle galt in Afrika als die Krone der Perlen. Man fand Sie als „Beigabe“ in alten Gräbern. Das Herstellungsverfahren dieser Perlen blieb lange ein Geheimnis und man vermutet den Ursprung im alten Theben. Ihr Wert wetteiferte in vergangenen Jahrhunderten mit dem des Goldes. Die Namen dieser edlen Perlen sind fast immer von ihrer Farbe abzuleiten und die Afrikaner sagen, der Finder einer Aggriperle ist sich

eines ununterbrochenen Glückes gewiss….

 

Früher gewann man das Glas dazu aus der Asche abgebrannter Steppengrasflächen, heute nimmt man alte europäische Flaschen dazu. Das Altglas wird zunächst fein gemahlen und das so entstehende „Pulverglas“ wird in aufwendigen Verfahren von Hand zu Perlen weiter verarbeitet. In der Krobo-Region in Ghana  gibt es eine lange Tradition der Herstellung von Schmuck-Glasperlen aus Pulverglas. Dabei werden in der Regel alte Handelsperlen imitiert.

Wunderschön und ebenfalls sehr aufwendig in der Herstellung sind die Messingperlen der Ashanti aus Ghana. Die Perlenherstellung ist in Ghana bis heute ein traditionsreicher Beruf, der von den Vätern an die Söhne weiter gegeben wird. Noch heute werden diese Perlen nach der traditionellen Methode der verlorenen Form (ein Wachsausschmelzverfahren) hergestellt. Im Altertum hat man auf diese Weise Goldgewichte und Schmuck für Könige hergestellt, heute ist diese Kunstform allen zugänglich. Nur mit langer Erfahrung und sehr großer Geschicklichkeit kann man als Perlenmacher arbeiten. Der materielle Aufwand einer Perlenwerkstatt ist zwar gering, dafür sind die Arbeitsschritte aber sehr kompliziert und aufwendig.

 

Alle mit der Hand geschliffenen Perlen haben etwas Besonderes im Aussehen, wodurch sie sich von den dutzendweise unter der Schleifmaschine hergestellten Perlen unterscheiden. Vor allem die Art der Durchbohrung verrät dem afrikanischen Liebhaber sofort ihre Echtheit. Man erkennt bei der afrikanischen Perle sofort die unendliche Mühe des Schleifers - hat er doch mühsam mit Hilfe eines kleinen, steinbeschwerten Bohrers unter Zuhilfenahme nassen Sandes erst von der einen Seite bis zur Hälfte gebohrt - die Perle gewendet - und dann von der anderen Seite her gebohrt. Die Bohrlöcher treffen meist etwas schief zusammen und sind im Innern stets enger als an der Mündung, aber gerade diese scheinbare Unvollkommenheit macht ihren besonderen Wert aus.

 

Gebrauchs- und Schmuckgegenstände aus Horn waren jahrhunderte lang alltägliche Begleiter des Menschen. Beispielsweise in Madagaskar hat die Herstellung und Verarbeitung des Horns der Omby’s (des einheimischen Zuchtrindes) eine lange Tradition. Noch heute dienen die Hörner als Grabschmuck und teilweise auch als okkulte Gegenstände.

Horn ist ein wunderschönes Naturprodukt und die aufwendige Verarbeitung von Hand wird nur noch von wenigen Familien betrieben.

 

Perlen bedeuten Tränen - sagt ein altes Sprichwort …wie viel Tragik aber auch Freude und Entzücken mögen sich an Afrikas Perlen knüpfen - Afrika ist wirklich das Wunderland der Perlen.

 

Quelle: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, 1920, von rado by jadu 2002